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Aus Platzmangel nicht in der aktuellen Printausgabe September:

 

Auf gute Nachbarschaft

 „Ein Straßenfest im Neubaugebiet – zwischen den vielen Baugrundstücken, Sandwüsten und Rohbauten?“ – Skeptisch schauten uns die neuen Nachbarn an, an deren Haustür wir gerade geklingelt hatten und uns mit „ Hallo, wir sind die Nachbarn aus der 22 und wollen zu einem Sommerfest im Wollgrasweg einladen“. „Und dazu auch noch mit wildfremden Leuten“, haben sie bestimmt gedacht, aber höflicher Weise nicht ausgesprochen. „Ja“, sagte ich und überreichte eine Kopie unserer selbst gebastelten Einladung. „Aber wir müssen alles selbst organisieren. Damit niemand unnötig viel Arbeit hat, sollte jede Familie Getränke, Essen, Teller und Besteck und auch die Sitzgelegenheiten selbst mitbringen. Und Spielzeug für die Kinder wäre auch nicht schlecht“.

 „Na ja, mal sehen ob wir Zeit haben“– war die häufigste Antwort, die wir von den Eingeladenen erhielten. Wir klapperten alle bewohnten neuen Häuser im Wollgrasweg ab. Bei jedem klingelten wir und stellten uns vor. Manche waren begeistert und sagten gleich zu, andere eher zurückhaltend. „Ob das wirklich eine gute Idee war?“, fragte ich mich schon insgeheim.

 Die Idee zu einem Straßenfest war gekommen, als wir mal wieder wie so oft, durch die neuen Grünanlagen spazierten und die vielen Rohbauten und bereits fertigen Häuser betrachteten. Es ist schon interessant, das Heranwachsen eines Neubaugebiets von Anfang an mit zu erleben. Die Grünanlagen, der Basketballplatz und der Spielplatz waren so schön geworden, aber kaum jemand nutzte sie. Rund um das Baugebiet konnte man in drei Richtungen Felder, Wiesen und Bäume sehen. Die hochsommerlichen Temperaturen ließen ein gewisses Urlaubsgefühl aufkommen. „Das ist komisch hier“, hatte mein 12-jähriger einige Tage vorher gesagt, „fast wie in Frankreich auf dem Campingplatz.“

Irgendwie hatte er Recht. Von den Die neu angelegten Beete und Grünanlagen und auch die neuen Spielgeräte hätte man auch für einen Urlaubsprospekt nutzen können.

Ein gemeinsames Fest mit allen neuen Nachbarn, um die schönen Anlagen zu nutzen und alle zwanglos kennen zu lernen – das war die Ursprungsidee im Sommer 2008. Und einen Versuch war es allemal wert.

Der Samstag kam. Kurz vor 18 Uhr schleppten wir eine Bierzeltgarnitur, einen Grill und unsere alte Tischtennisplatte zum Basketballplatz – und warteten. Zehn Minuten später kam ein Pärchen, stellte sich als Olli und Simone vor und setzte sich in mitgebrachte Campingstühle. „Leider müssen wir um 20 Uhr wieder weg, aber wir wollten unbedingt sehen, wer hierher kommt.“

 

Keine Stunde später waren über 20 Neubürger da. Sie hatten Stühle, Tische, Grillzeug, Salate, Kuchen, Getränke und vieles mehr mitgebracht. Vom Baby bis zum Teenager war alles vertreten. Ein Tisch wurde zum Buffet erklärt und jeder steuerte etwas bei. Die Eltern grillten und unterhielten sich, die Kinder tobten durch die Gegend. Zwischendurch wurde Rundlauf an der Tischtennisplatte gespielt und Wasserbomben flogen durch die Luft. Klein spielte mir Groß und noch immer kamen Nachbarn hinzu.

Die anfängliche Skepsis war verflogen, alle feierten begeistert mit. Als es dämmerte wurden Feuerkörbe aufgestellt. Die Kinder wurden ins Bett gebracht und die Erwachsenen kamen wieder. Das erste Straßenfest im Wollgrasweg dauert bis 3 Uhr. Und am nächsten Morgen traf man sich zum Aufräumen wieder.

In diesem Jahr feiern wir bereits das vierte Sommerfest. Der Samstag vor Beginn der Sommerferien ist unser fester Termin – so kann sich jeder darauf einstellen. Sollte es regnen, verschiebt sich das Fest auf den zweiten Samstag nach den Ferien. Das ist inzwischen Tradition. Jedes Jahr kamen neue Nachbarn hinzu. Inzwischen sind wir auf die Wiese an der Rutsche umgezogen. Einmal wurde ein großes Trampolin aufgestellt und im Jahr darauf gab es ein Vater-Kind-Schubkarren-Wettrennen.

Wir hoffen, dass unser Traditionsfest lange weiter gefeiert wird und andere Strassen sich zum Nachahmen entschließen. Es lohnt sich.


 

 

SPD - Kaltenweide
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